Archiv des Monats Dezember 2009

Das Geheimnis der botanischen Pflanzennamen

Hätten Sie’s gewusst?

Sind Kuhschelle und Küchenschelle wirklich die gleichen Pflanzen und wie unterscheiden sich Sommer- und Besenheide? Was haben Schattenglöckchen und Lavendelheide gemeinsam? Wer zum Beispiel im Internet nach Gehölzen und Stauden sucht, wundert sich manchmal, dass manche Pflanzen gleich aussehen, aber unterschiedliche deutsche Namen haben. Wer auf den botanischen Namen achtet, wird dann vielleicht feststellen, dass zum Beispiel sowohl das Schattenglöckchen als auch die Lavendelheide als Pieris bezeichnet werden und somit die selben Pflanzen sind. Die schwierigen botanischen Namen sorgen also für Klarheit, obwohl deutsche Namen wie Tränendes Herz, Schönfrucht oder Schattenglöckchen viel besser klingen.

Weltweiter Pflanzenhandel

Die botanischen Pflanzennamen bieten den Vorteil, dass sie eindeutig sind. Für jede Pflanze ist nur ein Name gültig und jeder dieser Pflanzennamen wird nur einmal vergeben. Außerdem sind die Namen international verständlich.
Lange bevor der Begriff der Globalisierung in aller Munde war, waren Gärtner, Biologen, Botaniker und andere Wissenschaftler schon weltweit auf der Suche nach neuen Pflanzen. Auch der internationale Handel mit Pflanzen und Saatgut hat eine jahrhundertealte Tradition. Die Einigung auf weltweit gültige Regeln zur Pflanzenbenennung vermeidet Missverständnisse. Sie macht es möglich, dass Menschen in den unterschiedlichsten Ländern wissen, was beispielsweise mit Pulsatilla vulgaris gemeint ist: Dahinter verbirgt sich jene Pflanze, die in Deutschland sowohl unter dem Namen Kuhschelle als auch Küchenschelle bekannt ist. Der deutsche Name für diese Staude ist also nicht einmal innerhalb der Grenzen Deutschlands einheitlich. Übrigens: Die Küchenschelle hat gar nichts mit der Küche zu tun. Der Name stammt von dem Wort „kleine Kuh“, also Küh-chen, die Bezeichnung Schelle bezieht sich auf die glockenförmigen Blüten.

Eine geniale Idee

Die Idee der botanischen Namen geht auf den schwedischen Naturkundler Carl von Linné zurück, der um 1750 das System der „binären Nomenklatur“, also der Doppelnamen, einführte. Mit dem System der Doppelnamen lassen sich alle in der Natur vorkommenden Pflanzen mit nur zwei Wörtern benennen. Die Besenheide, die auch als Sommerheide bezeichnet wird – in Deutschland also ebenfalls unter mindestens zwei Namen bekannt ist – heißt demnach Calluna vulgaris. Der erste Name, der Gattungsname, wird immer großgeschrieben, das darauf folgende Wort ist eine spezifische Artbezeichnung und wird üblicherweise kleingeschrieben. Zusammen mit dem Gattungsnamen entsteht so der Artname: Ein Prinzip ähnlich der Vor- und Nachnamen, das eine Unterscheidung ermöglicht, aber auch gewisse Verwandschaftsverhältnisse widerspiegelt. Für die botanischen Namen greift man vor allem auf Begriffe zurück, die aus dem Lateinischen oder Griechischen abgeleitet sind.

Namen mit Bedeutung

Die Bezeichnungen für die Art lassen oft schon einen Rückschluss auf eine Pflanzeneigenschaft zu. So steht nanus oder nana für klein, Betula nana bezeichnet deshalb eine sehr kleinwüchsige Birke. Pendulus oder pendula weist auf eine Hängeform hin, wohingegen horizontalis für flachwachsende Pflanzen verwendet wird, wie den bodendeckenden Wacholder Juniperus horizontalis. Die Artbezeichnung gigantea oder giganteus bedeutet riesig und auch die Farben lassen sich in den botanischen Namen erkennen: glauca steht für blaugrün, albus oder alba für weiß und aurea oder aureus für goldgelb. Hinweise auf die Blüten finden sich oft in Bezeichnungen, in denen das Wort florus – aus dem Lateinischen für Blüte – vorkommt: grandiflorus deutet auf große Blüten hin und multiflorus heißt vielblütig.

Klangvolle Sortennamen

Eine zum Beispiel durch Züchtung entstandene Pflanze, die sich von denen in der freien Natur durch eine oder mehrere bestimmte Eigenschaften wie Wuchsform oder Blütenfarbe dauerhaft unterscheidet, wird als Sorte bezeichnet. Die Sortennamen werden großgeschrieben und stehen in einfachen Anführungsstrichen. Manchmal gibt der Sortenname, der zum Beispiel aus dem Englischen oder Französischen stammen kann, schon einen Hinweis auf eine besondere Eigenschaft der neuen Pflanze: Calluna vulgaris ‚Darkness‘ beispielsweise hat dunkle, purpurrote Blüten, die Sorte ‚Silver Knight‘ hat silbriggraue Blätter. Vielfach sind die Pflanzen auch nach einer Region oder einer Person benannt, wie die Sommerheidesorten ‚County Wicklow‘ und ‚Carmen‘.

Pieris jap Sarabande

Foto: PdM. – Wegen der schönen Blütenglöckchen und der Schattenverträglichkeit ist der klangvolle deutsche Name Schattenglöckchen für diesen Zierstrauch naheliegend. Er lässt sich auch leichter merken als der botanische Name Pieris, doch die botanische Bezeichnung bietet den Vorteil, dass sie eindeutig und international verständlich ist.

Kommentar

Zauberhafter Wintergarten

Pflanzenschmuck aus Eis und Schnee

Mit dem Ende des Herbstes beginnt für viele Gärten eine Art Winterschlaf, aus dem sie erst die Frühlingssonne im nächsten Jahr wieder wecken wird. Diese Gärten haben kaum eine Chance, die kleinen und großen Winterwunder, mit denen die Natur in der kalten Jahreszeit überraschen kann, zu zeigen. Für die Besitzer solcher Gärten ist dann die Gartenzeit zu Ende, nur weil bei der Gartenplanung und -pflege nicht auf den Winteraspekt vieler Pflanzen geachtet wurde. Dabei geht es auch anders: Hinter dem Begriff „Winteraspekt“, der von Gartenplanern gerne verwendet wird, verbirgt sich eine faszinierende Welt mit einem einzigartigen stillen Zauber, bei dem die Pflanzen die Hauptdarsteller sind. Je abwechslungsreicher und durchdachter der Garten bepflanzt ist, umso besser kann er auch im Winter seine Wirkung entfalten: Immergrüne und sommergrüne Gehölze, Stauden und Gräser tragen dann alle auf ihre Weise dazu bei, dass sie – durch Raureif, Nebel, Eis, Schnee oder die tief stehende Sonne verwandelt – Eindrücke bieten, wie sie zu keiner anderen Jahreszeit möglich sind.

Weniger schneiden – mehr sehen

Im Herbst wird im Garten aus übertriebenem Ordnungsdenken heraus häufig noch fleißig aufgeräumt und geschnitten, dabei kann weniger mehr sein: Stauden und Gräser, deren Samenstände erst im Frühjahr abgeschnitten werden, verwandeln sich im Winter durch Raureif in glitzernde Skulpturen. Weiße Schneemützen liegen auf immergrünen Gehölzen und auch große, trockene Blütenstände von Fetthennen und anderen spätblühenden Stauden tragen strahlend weiße Häubchen aus Schnee. Für die Tierwelt ist es ebenfalls gut, wenn die meisten Stauden und Gräser nicht schon im Herbst zurückgeschnitten werden. Vögel können sich im Winter von den Samen ernähren und die Stängel bieten kleinen Nützlingen eine Möglichkeit zum Überwintern. Die trockenen Pflanzenteile können außerdem, wenn man sie über Winter stehen lässt, die für den Austrieb im Frühling wichtigen Knospen vor Kälte schützen. Zurückgeschnitten wird dann erst im nächsten Jahr ab Ende März, wenn keine starken Fröste mehr zu erwarten sind. Es gibt aber Ausnahmen: Stauden und Gräser, die sich stark aussamen, wie das bei der Riesen-Segge (Carex pendula) und bei einigen Chinaschilf-Sorten der Fall ist, werden besser vor dem Winter zurückgeschnitten. Um auf der sicheren Seite zu sein, fragt man am besten schon beim Kauf nach dem besten Schnittzeitpunkt. Damit Gräser, die wie das Pampasgras große Horste bilden, im Winter nicht durch ein Übermaß an Feuchtigkeit auseinanderfallen, kann man sie mit einer Schnur locker zusammenbinden. So wird auch das Innere der Gräser vor Frost und zu viel Nässe geschützt, denn Regen kann dann gut außen abfließen.

Die Magie der kalten Tage

Es lohnt sich, den Blick für die interessanten Details vieler Pflanzen in der kalten Jahreszeit zu schärfen und die schönen Seiten des winterlichen Gartens bewusst wahrzunehmen. Dann gibt es manche eisigen Schönheiten zu entdecken wie zum Beispiel Edeldisteln, Sonnenhüte oder Königskerzen, die vom Frost in kleine Kunstwerke verwandelt werden. Viele Disteln bieten wegen ihrer markanten, fast skulpturartigen Gestalt ideale Voraussetzungen für besondere Effekte im winterlichen Garten. Immergrüne Gehölze bilden einen farbigen, ruhigen Hintergrund für diese eisigen Pflanzenschönheiten und heben die mit Raureif verzierten Gräser oder Stauden durch den starken Kontrast sogar noch hervor. Auch nach einem Regen können manche Pflanzen den Betrachter, der Sinn für Feinheiten hat, mit stimmungsvollen Eindrücken verzaubern. Sehr schön sind beispielsweise Gräser, an denen einzelne Regentropfen wie kleine Diamanten glitzern. Wer im Winter mit offenen Augen auf solche Pflanzen achtet und sich von schönen Gärten inspirieren lässt, kann so schon zur Pflanzzeit im Frühjahr seine Ideen umsetzen. Am besten pflanzt man Stauden, Gräser und Gehölze, die in der kalten Jahreszeit besonders attraktiv sind, in die Nähe von oft genutzten Wegen, in den Vorgarten oder in die Nähe von Fenstern, so dass sie von drinnen gut zu sehen sind. Auf diese Weise vorbereitet, bietet der Garten dann im folgenden Winter viele schöne Impressionen. – Es wäre doch schade, wenn man während des Winterhalbjahres ohne seinen Garten auskommen müsste!

Winterlicher Garten

Foto: PdM. – Je abwechslungsreicher und durchdachter ein Garten bepflanzt ist, umso besser kann er auch in der kalten Jahreszeit seine Wirkung entfalten. Immergrüne und sommergrüne Gehölze, Stauden und Gräser tragen im Winter alle auf ihre Weise dazu bei, dass sie – durch Raureif, Nebel, Eis oder Schnee verwandelt – Eindrücke bieten, wie sie zu keiner anderen Jahreszeit möglich sind.

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