Archiv des Monats Oktober 2009

Lichtblicke im Winter

Pflanzentipps für den Dezember

Der Winter bringt es an den Tag. Dann zeigt sich, wer bei der Gartengestaltung auch die besonderen Herausforderungen der kalten Jahreszeit im Blick hatte. Ein gut geplanter und abwechslungsreich bepflanzter Garten kann das ganze Jahr über interessant sein, selbst wenn im Winter viele Bäume und Sträucher ihr Laub abgeworfen haben. Der Blickwinkel ändert sich in der kalten Jahreszeit und ermöglicht neue Ein- und Ansichten. Manche Pflanzen beeindrucken jetzt zum Beispiel – ganz anders als im Sommer – mit ihrer Wuchsform, ihren Zweigen oder ihrer Rinde. Es gibt sogar einige Stauden und Gehölze, die im Winter trotz Kälte blühen.

Magischer Winterblüher

Die Christrose (Helleborus niger) ist einer dieser Winterblüher. Diese schöne kleine Staude hat weiße, gelegentlich auch rötlich getönte Blüten, die sich schon in der Weihnachtszeit öffnen und einen wunderbaren Kontrast zu den dunkelgrünen Blättern bilden. Die Blütezeit reicht bis in den März hinein. Auch wenn die Christrose nur etwa 25 Zentimeter hoch wird – ihre hellen, großen Schalenblüten, die sich über den handförmigen wintergrünen Blättern erheben, fallen auf. Diese aparte Staude gedeiht gut im Halbschatten vor oder unter lichten Gehölzen und macht auch in Gefäßen eine gute Figur. Sie eignet sich deshalb ausgezeichnet für winterliche Pflanzenarrangements auf Balkon und Terrasse oder auch als freundlich-festlicher Willkommensgruß am Hauseingang. Früher wurden der Christrose besondere Kräfte nachgesagt, denn eine Pflanze, die mitten im Winter blüht, musste über magische Fähigkeiten verfügen. Auch heute hat sie noch etwas Magisches an sich – ihre hellen, frischen Blüten in der Weihnachtszeit verzaubern den Betrachter und machen sie zu einem besonderen Pflanzenliebling.

Immergrün

Manche Gehölze tragen mit ihrem immergrünen Laub oder ihrem ganzjährig grünen Nadelkleid dazu bei, dass der Garten auch im Winter noch Struktur hat und nicht zu leer aussieht. Effektvoll wegen ihres markanten Erscheinungsbildes sind zum Beispiel säulenförmig wachsende Nadelgehölze wie der Virginische Säulen-Wacholder (Juniperus virginiana ‚Skyrocket‘) und die Säulen-Eibe (Taxus baccata ‚Fastigiata‘). Der Boden muss im Winter ebenfalls nicht kahl sein, denn es gibt einige schöne flachwachsende Nadel- und Laubgehölze, die den Boden dicht bedecken. Die Teppich-Lorbeerkirsche (Prunus laurocerasus ‚Mount Vernon‘) ist so ein immergrüner Bodendecker mit dichtem und flachem Wuchs. Sie hat schöne, glänzend dunkelgrüne Blätter und wächst sogar noch im Schatten. Dank ihres kompakten Wuchses und einer Höhe von nur 30 bis 40 Zentimetern kann diese Lorbeerkirsche unter anderem gut in kleine Gärten, auf Gräber und in Kübel gepflanzt werden.

Außergewöhnliche Zapfen

Manche Pflanzeneigenschaft erschließt sich im Winter erst auf den zweiten Blick, weil sie so ungewöhnlich ist. Die Zapfen-Fichte (Picea abies ‚Acrocona‘) ist eine solche Pflanze, die den Betrachter im ersten Moment verblüfft. Sie ist eine botanische Besonderheit, denn die vielen, bis zu zehn Zentimeter langen Zapfen befinden sich an den Spitzen der Triebe! Anfangs leuchten sie in einem auffallenden, warmen Rotton und bilden einen sehr schönen Kontrast zu dem Grün der Nadeln, später verblasst die Farbe etwas. Die Zapfen-Fichte ist sehr frosthart. Das überrascht nicht, wenn man weiß, dass die Ausgangsform dieser außergewöhnlichen Sorte vor rund 120 Jahren in einem Wald nahe der schwedischen Stadt Uppsala gefunden wurde. Die Zapfen-Fichte hat einen Einzelstand verdient, denn so kommt auch ihr schöner, breit kegelförmiger Wuchs gut zur Geltung. Sie wächst langsam und kann deshalb sogar in große Kübel gepflanzt werden.

Botanische Kostbarkeit mit markanten Zweigen

Auch die Rote Korkenzieher-Hasel (Corylus ‚Red Majestic‘) kommt im Einzelstand am besten zur Geltung. Sie ist ebenfalls eine interessante Pflanze für das ganze Jahr: In der warmen Jahreszeit fällt sie vor allem wegen der großen, dunkelroten Blätter auf. Im Winter, nach dem herbstlichen Laubfall, wird eine ganz andere, außergewöhnliche Eigenschaft deutlich sichtbar: ihre bizarren, korkenzieherartig gedrehten Triebe. Sie machen diesen zwei bis vier Meter hohen Strauch zu einer erlesenen Kostbarkeit für den Garten. Ohne die Blätter sind die interessanten Triebe besonders gut zu sehen und Frost oder Schnee kann die Pflanzen in schöne, winterliche Gartenskulpturen verwandeln. Die eigenwillig gedrehten Zweige von Korkenzieher-Haseln (Corylus avellana ‚Contorta‘) werden auch in der Floristik gerne verwendet. Einige andere Gehölze haben ebenfalls auffallend gedrehte Zweige wie die Korkenzieher-Weide (Salix ‚Tortuosa‘) und die Korkenzieher-Robinie (Robinia pseudoacacia ‚Tortuosa‘).

Gute Beratung macht die Auswahl leichter

Die garten- und pflanzenliebende englische Journalistin und Buchautorin Anne Scott-James, die unter anderem für die Vogue und für die BBC gearbeitet hatte, schrieb in einem ihrer Bücher sinngemäß: „Gartenanfänger lieben den Frühling und den Sommer, echte Gärtner lieben auch den Winter“. Die Eigenschaften, mit denen manches Gehölz und manche Staude im Winter auffallen, sind beim Kauf in einer anderen Jahreszeit häufig nicht offensichtlich. Darum ist es sinnvoll, sich von den Fachleuten in Baumschulen, Staudengärtnereien oder Gartencentern beraten zu lassen. Sie wissen, welche Pflanzen den winterlichen Garten durch Form, Farbe, Blüten oder andere Eigenschaften bereichern. Dann wird auch der Winter zu einer Jahreszeit, die zum Gartenjahr einfach

dazugehört. EMail Helleborus

Foto: PdM. – Christrosen trotzen der Kälte und blühen mitten im tiefsten Winter. Die hellen Blüten bilden einen schönen Kontrast zu den dunkelgrünen Blättern. Diese Stauden machen auch in Gefäßen eine gute Figur und eignen sich deshalb auch ausgezeichnet für winterliche Pflanzenarrangements auf Balkon und Terrasse.

Kommentar

Herbst auf dem Balkon

Ganz schön bunt hier

Die Sonne scheint durch das goldgelbe Laub und langsam segeln einzelne Blätter zu Boden. Wie schön der Herbst sein kann – mit seinem stimmungsvollen Licht und den warmen Farben! Auch auf Balkon und Terrasse kann jetzt die neue Jahreszeit einziehen.

Unschlagbare Herbstboten für den Topfgarten sind Erica, Calluna und Chrysantheme. Wer auf der Terrasse und dem Balkon außerdem winterfeste Stauden verwendet – wie beispielsweise die Fetthenne (Sedum), Günsel (Ajuga) oder rotlaubige Purpurglöckchen (Heuchera) – der verfügt bereits über eine ausdauernde Rahmenbepflanzung, die je nach Jahreszeit noch mit anderen Pflanzen ergänzt werden kann. Die Stauden ziehen sich zwar im Winter unter die Erde zurück – treiben aber im nächsten Frühjahr wieder von Neuem aus. Für die Wintermonate sollten allerdings einzelne immergrüne und winterharte Zwerggehölze im Topfgarten nicht fehlen: Scheinbeere (Gaultheria) und Torfmyrte (Pernettya) sind ideal für kleine Pflanzgefäße, denn sie bleiben kompakt und behalten den ganzen Winter ihr Laub und die schmückenden Beeren. Die Skimmie (Skimmia) ist ein Kleinstrauch, den man gut in einen größeren Topf oder Kübel pflanzen kann. Sie trägt im Herbst und Winter ihr immergrünes Laub und dazu dekorative purpurrote Blütenknospen oder rote Beeren.

Unentbehrlich haben sich im Herbst auch bunte Gräser gemacht, die mit bronzefarbenem (Bronze-Segge), gelbem (Gras-Kalmus) oder silberblauem Laub (Blau-Schwingel) zu fast allen Herbstblühern passen. Eine Besonderheit ist jetzt das Lampenputzergras (Pennisetum), das am besten in einem größeren Gefäß stehen sollte. Es bildet hübsche, auffällig walzenförmige Blütenstände und lässt sich im Topfgarten schön mit Herbstblühern kombinieren – macht aber auch in Einzelstellung eine eindrucksvolle Figur.

Pflanztipp für Balkonkästen

In der Wiederholung wirken Pflanzen am besten, deshalb sollten immer mindestens zwei von einer Art in einem Balkonkasten wachsen. Das gibt der Bepflanzung Struktur und wirkt harmonisch. Hoch wachsende Pflanzen gehören dabei in den hinteren Bereich der Kästen, niedrige und überhängende Pflanzen sollten im Vordergrund wachsen.

EMail Herbstarrangement

Foto: PdM. – Im Herbst in Hochform: Wenn das Gartenjahr zu Ende geht, bringen blühende Heidepflanzen und Herbstastern Farbe auf Balkon und Terrasse. Für schöne herbstliche Impressionen sorgen auch Pflanzen wie Torfmyrte (Pernettya) und Rebhuhnbeere (Gaultheria) mit ihrem auffallenden Beerenschmuck.

Kommentar

Grabbepflanzung im Herbst

Ein Garten der Erinnerung

Sie liegen oft mitten in der Stadt, manchmal direkt neben stark befahrenen Straßen, auf denen lauter, hektischer Alltag herrscht: Friedhöfe. Ihr weitläufiger, grüner Parkcharakter macht sie dennoch zum würdevollen Ort der Toten – und zum leisen, besinnlichen Ort der Lebenden. Wie Inseln ruhen Friedhöfe inmitten des Trubels und bilden einen geschützten Platz, an dem Menschen sich erinnern, innehalten und neue Kraft schöpfen lässt. Diese beruhigende und besinnliche Atmosphäre schafft erst die Kraft der Natur: Ohne Bäume, Sträucher und Blumenschmuck, ohne Rasen und das Grün am Wegesrand würden hier Kälte und Sterilität herrschen.
Stattdessen pflanzen Angehörige einen letzten Garten, von ihnen oder den Friedhofsgärtnern gepflegt. In diesen Gärten der Erinnerung werden stille Zwiegespräche gehalten und hier wird mit verschiedenen Pflanzen das Andenken an den verstorbenen Menschen bewahrt. Viele wählen für eine Grabstätte eine Grundbepflanzung aus pflegeleichten Bodendeckern. Zahlreiche bodendeckende Stauden sind ganzjährig grün und haben einen hohen Zierwert durch Blattfarbe, Blüten und manche auch durch herbstlichen Fruchtschmuck.

Bodendeckende Stauden

Das Stachelnüsschen (Acaena microphylla) zum Beispiel zeigt vom Juli bis in den Winter hinein braunrote, stachelige Fruchtstände. Die in Neuseeland heimische Pflanze trägt gefiedertes, je nach Sorte olivgrünes bis braunes Laub und eignet sich vor allem für größere, sonnige Flächen. Zwei weitere schöne immergrüne Bodendecker für einen sonnigen Standort sind Andenpolster (Azorella trifurcata) und Silberwurz (Dryas x suendermannii). Beide Stauden blühen im Mai und Juni, das Andenpolster mit grünlichgelben Dolden und der Silberwurz mit cremefarbenen schalenförmigen Blüten, aus denen sich im Herbst hübsche, fedrige Samenbüschel entwickeln. Sonnig mögen es auch grün- oder buntlaubige Fetthennen (Sedum) und Thymian (Thymus) wie der Zitronenthymian oder auch Goldblatt-Teppichthymian (Thymus x citriodorus ‚Golden Dwarf‘). Seine farbigen Blätter bilden goldgelbe Teppiche, die gelegentlich zurückgeschnitten werden sollten. An von Bäumen oder Mauern beschatteten Standorten wachsen hingegen gut Efeu (Hedera helix) oder Immergrün (Vinca minor) als bodendeckende Grundbepflanzung. Ein anderer schöner Bodendecker ist die Teppich-Golderdbeere (Waldsteinia ternata), eine sehr robuste, und pflegeleichte Staude für den Halbschatten. Sie ist in nicht zu kalten Wintern immergrün und blüht im April und Mai goldgelb. Diese Staude verträgt auch den Wurzeldruck von Bäumen und bildet einen dichten Teppich, der keinen Platz für Unkraut lässt.

Symbolpflanzen setzen Zeichen

Vor allem auf älteren Gräbern wachsen als persönliche Botschaft an den Verstorbenen oft Pflanzen mit hoher Symbolkraft. Das im Frühling blühende Tränende Herz (Dicentra spectabilis) etwa verbildlicht durch seine ungewöhnliche Blütenform trauerndes Gedenken: An langstieligen, mehrfach gezähnten Blättern hängen rosafarbene, herzförmige Blüten. Am besten gedeiht die Staude im Schatten. Der immergrüne Hauswurz (Sempervivum) steht für das ewige Leben: „semper vivum“ kommt aus dem Lateinischen und bedeutet „immer lebend“. Er ist sehr trockenheitsverträglich und bildet mit seinen wasserspeichernden Blättern in den verschiedensten Rot-, Braun-, Grün- oder graublauen Tönen ausdrucksstarke Rosetten. Weitere Symbolpflanzen sind Lebensbaum (Thuja) als Wahrzeichen von Treue, Ringelblume (Calendula) als Sinnbild für Erlösung nach dem Tod und Stechpalme (Ilex) – die jetzt im Herbst rote Beeren trägt – als Zeichen der Hoffnung. Manche Trauernde erweisen ihren Verstorbenen auch mit dessen Lieblingsblumen oder Blüten in der Lieblingsfarbe die Ehre: Ein Grab lässt sich sehr persönlich und in Form und Bepflanzung abwechslungsreich über das ganze Jahr gestalten.

Blühendes in Herbst und Winter

Einige Pflanzen öffnen mitten im Herbst oder Winter ihre Blüten: Zum Beispiel Winterheide (Erica-carnea-Sorten) und Besenheide (Calluna-vulgaris-Sorten). Sie leuchten in warmen Rot-, Rosa- und Violetttönen oder auch zurückhaltend weiß, die Knospenblüher blühen bis in den Winter hinein. Ein regelrechter Blickfang im Winter: die Christrose (Helleborus niger). Sie zeigt in milden Lagen ihre schalenförmigen, porzellanfeinen, weiß- bis rosafarbenen Blüten schon im Dezember – also dann, wenn nur wenige andere Pflanzen blühen. Ihre zarten Blüten bilden bis zum April einen reizvollen Kontrast zu den dunkelgrünen, handförmigen Blättern. Wie die meisten anderen Stauden und auch Gehölze lässt sich die Christrose jetzt besonders gut pflanzen: Viele Menschen widmen sich im Herbst, insbesondere zu den Totengedenktagen im November, der liebevollen Grabgestaltung und -umgestaltung, denn alles, was jetzt und solange es nicht friert in den Garten der Erinnerung gepflanzt wird, gedeiht besonders gut und sorgt zeitig für Harmonie in Form und Farbe.

Grab mit Rhododendron

Foto: PdM. – Garten der Erinnerung – liebevoll gepflegt, ist ein Grab ein Ort der stillen Zwiesprache und des Gedenkens. Immergrüne Gehölze wie Rhododendren tragen dazu bei, dass Gräber auch im Winter nicht kahl sind.

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