Archiv des Monats August 2009

Sportlicher Heidegarten

Kein Zufall, sondern gut geplant

Was für eine Kondition! Gärten, die clever angelegt sind, verhalten sich äußerst rege – und zwar das ganze Jahr über: Im Frühling feiern sie ein rauschendes Blütenfest, laufen im Sommer mit einem Potpourri aus Farben und Düften zur Hochform auf, überwältigen im Herbst mit feurigen Tönen und zeigen sich sogar im Winter nicht müde. Besonders sportiv und dabei völlig ungekünstelt ist der Heidegarten: Die vielen Heidearten und -sorten mit ihren unterschiedlichen Blütezeiten tauchen den Garten in jeder Jahreszeit in schöne Farben und besitzen einen ganz eigenen rustikalen Charme. Unzählige kleine Blüten leuchten in satten Rosa-, Rot- und Violetttönen oder auch zurückhaltend weiß. Hügel und Sandwege, Findlinge und Baumwurzeln bringen zusätzlich Struktur – ganz nach dem Vorbild großer norddeutscher Heidelandschaften mit ihrer ursprünglichen und beruhigenden Ausstrahlung. Nichts Extravagantes oder Aalglattes findet sich hier, statt dessen echte und ungezähmte Fröhlichkeit. Dazu sind blühende Heidegärten ein gefundenes Fressen für viele Insekten, Vögel und andere Kleinstlebewesen, denen sie wertvoller Lebensraum sind.

Im Sommer geht’s los: Heidereigen …

In freier Natur ist die winterharte Besenheide (Calluna vulgaris) am weitesten verbreitet, die bis zu 20 Jahre lang ihre Umgebung ziert. Als Zwergstrauch wird sie 30 bis 50 Zentimeter hoch und schmückt sich im Garten je nach Sorte von Juni bis in den November hinein mit einfachen oder gefüllten Blüten. Diese umgibt Laub, das nicht nur in Grün vorkommt, sondern auch gelblich oder silbrig getönt sein kann und sich teilweise sogar im Winter gelb, orange oder tiefrot verfärbt. Dass im winterlichen Garten keinesfalls Tristesse herrscht, verhindert auch die Schneeheide (Erica carnea), die am besten in größeren Gruppen gepflanzt wird und von Dezember bis in den April hinein mit ihren weißen, rosafarbenen, roten oder violetten Blüten erfreut. Weitere Heidepflanzen sind im Sommer die Grauheide (Erica cinerea) und die zierliche Glockenheide (Erica tetralix), im Winter die Englische Heide (Erica darleyensis), die an geschützten Stellen gedeiht und je nach Sorte sogar noch im Mai blüht. Auch Besenheidensorten, die ihre Blütenknospen mit farbigen Kelchblättern umhüllen ohne sie zu öffnen, so genannte Knospenblüher, machen den Winter farbenfroh.

… und ihr Geleit

Heidepflanzen benötigen viel Sonne. Der Boden im Heidegarten muss sauer, sandig und durchlässig sein. Schwerere Böden sollten tiefgründig gelockert und mit Sand vermischt werden. Mit Torf und Rindenhumus lassen sich Böden „ansäuern“. Laien bekommen fachlichen Rat bei Landschaftsgärtnern, die Heidelandschaften in ihrer ganzen Vielfalt selbst auf kleinerem Raum verwirklichen. Zusätzlich in Szene setzen die Experten den Heidegarten durch sorgfältig ausgewählte und gepflanzte Begleiter, die gleiche Bodenansprüche wie die Heidepflanzen stellen und auch in naturbelassenen Heidelandschaften vorkommen. Dies sind Gehölze wie etwa die kleinbleibende Zwergbirke (Betula nana), ferner Kiefern (Pinus) sowie immergrüner Säulenwacholder (Juniperus) oder auch Ginster (Cytisus). Dabei ist wichtig, dass die Gehölze den lichthungrigen Heidepflanzen möglichst wenig Sonne nehmen. Weitere gute Partner im Heidebeet sind filigrane Gräser wie der polsterbildende Blauschwingel (Festuca cinerea) und das Reiherfedergras (Stipa barbata) mit seinen zarten, wehenden, seidig-glänzenden Blütengrannen. Eine andere schöne Ergänzung zu Besenheide & Co. sind Sträucher mit farbiger Rinde oder auch fruchttragende Gehölze. Torfmyrte (Pernettya mucronata) und Stechpalme (Ilex) zum Beispiel wiederholen die Farben des Heidegartens mit ihrem herbstlichen Perlenschmuck in der Höhe ihrer Zweige. Wenn die Standortansprüche der Pflanzen erfüllt sind, ist ein Heidegarten unkompliziert und braucht keine besondere Pflege – ausgenommen einen regelmäßigen, fachgerechten Rückschnitt. Dieser fördert die Blütenbildung der Heide und verhindert, dass die Pflanzen zu hoch und zu locker werden.

Erica carnea

BGL/PdM. – Farbenvielfalt im Heidegarten: Die unzähligen kleinen Blüten der Heidepflanzen leuchten je nach Sorte in satten Rosa-, Rot- und Violetttönen oder auch in zurückhaltendem Weiß.

Kommentar

Coole Gärten gegen Schwitzen

Kühlen Kopf bewahren

Eitel Sonnenschein, Morgenregen, Gewitter, Hagel – im Sommer war wettermäßig alles drin. Noch gut sind die schwülheißen Tage in Erinnerung, in denen es eigentlich zu warm war zum Arbeiten, der Schweiß in Strömen floss und sich bei 30 Grad und Feierabend in der U-Bahn die Schnappatmung einstellte. Wie schön waren im Gegenteil dazu die paar Stunden am See oder auch im Eiscafé oder Biergarten mit altem Baumbestand! Wo das grüne Blätterdach kühlen Schatten spendete, ließ es sich auch bei heiß brennender Sonne gut aushalten. Ebenso erholsam: Schattenplätze im eigenen Garten. Gut, wenn es die gibt! So mancher, den es ins eigene Grün lockte, schmorte im eigenen Saft und schwor sich: Nächstes Jahr soll alles anders werden! Rechtzeitig angegangen – ab September ist wieder Pflanzzeit – ist dieses Vorhaben leicht umzusetzen. Es gibt nämlich viele Möglichkeiten, Schatten in den Garten zu bringen, und zwar ohne dabei auf leuchtende Blüten zu verzichten. Schattenspender Nummer eins ist ein ausreichend großer Baum. Er hält wunderbar kühl. Darunter wächst zwar nur mühsam Gras, dafür aber schönste Schattenpflanzen. Sie dürfen allerdings nicht zu durstig sein, da manche Bäume selbst einen hohen Wasserbedarf haben. Solche Voraussetzungen, trockener Boden und Schatten, sind genau die richtigen für den Stauden-Bleiwurz (Ceratostigma plumbaginoides), um seine hauchzarten, hellblauen Blüten zu öffnen. Auch Frühlingsanemone (Anemone blanda) und Kleines Immergrün (Vinca minor) sind Pflanzen, die im trockenen Schatten von Baumkronen gut gedeihen, wenn die Erde ausreichend locker ist und ab und an gedüngt wird. Die im zeitigen Frühjahr blühende Frühlingsanemone setzt dann – gesund und munter – weiße, rosafarbene oder blaue Farbtupfer ins Dunkel, das Immergrün ziert den Schatten später mit weißen, rosafarbenen, blauen oder violetten Blüten. Einfach schön!

Farbe im frischen Schatten

Die meisten Schattenpflanzen lieben aber Feuchtigkeit. Die Herzlilie oder Funkie (Hosta) zum Beispiel ist eine feuchtigkeitsliebende Blattschmuckstaude, die es mit unterschiedlichen Blattfarben gibt und die aufgrund ihrer Vielfalt sogar zur „Staude des Jahres 2009“ gewählt wurde. Die Sorten mit weißgrünen Blättern sind für den Halbschatten geeignet, solche mit bläulichen Blättern bevorzugen vollen Schatten. Einen nährstoffreichen und frischen Boden braucht auch die Prachtspiere (Astilbe), die sich am liebsten in den Halbschatten lichter Gehölze zurückzieht. Weitere Halbschattenbewohner sind Farne, manche von ihnen vertragen auch vollen Schatten. Kontrastreich werden lichtarme Stellen im Garten in Szene gesetzt, an denen Farne zum Beispiel mit üppig blühenden Rhododendren kombiniert werden. Im Frühjahr öffnen sich dann riesige weiße, gelbe, rote, violette oder rosafarbene Blütenbälle. Rhododendren wachsen am schönsten in humosen, leicht sauren Böden, mittlerweile gibt es aber auch Rhododendren, die in gewissem Maße kalktolerant sind. Darüber hinaus mögen es Tränendes Herz (Dicentra spectabilis), Schlüsselblume (Primula), Bergenie und kriechender Efeu (Hedera helix) eher frisch und schattig.

Kühle Residenz im Grünen

Da sich Schatten so schön schmücken lässt: Her mit schattigen Gartenplätzen für den nächsten Sommer! Wo ein größerer Baum oder andere hoch aufragende Gehölze als freundliche Schattenspender keinen Platz finden, schützen platzsparende Kletterpflanzen vor zuviel Sonne – schließlich breiten sie ihr Blätterkleid am liebsten nach oben aus statt zur Seite. Sie benötigen dafür Klettergerüst, Zaun, Pergola oder Laube. Daran überwachsen cremeweiße Kletterhortensien (Hydrangea petiolaris), Wilder Wein (Parthenocissus tricuspidata) oder die langen Blütentrauben des Blauregens (Wisteria) den Sitzplatz und zaubern einen luftdurchlässigen Baldachin – lebendiger Sonnenschutz mit Pfiff! Immergrüne Pflanzen wie Efeu (Hedera helix) machen den Sonnenplatz auch im Winter gemütlich, wo sie mit dichtem Grün einen Teil des Windes und der Kälte fernhalten. Zwischen Pergola und Laube gibt es übrigens einen bedeutenden Unterschied: Während eine Laube frei im Garten steht, lehnt sich die Pergola immer an ein anderes Gebäude an. Beide müssen sorgfältig gebaut werden, damit sie stabil und wetterfest viele Sommer lang Plätze lauschig machen. Dem Laien helfen Landschaftsgärtner, die nicht nur den festen Stand des Traggerüstes sicher stellen, sondern die geeigneten Pflanzen zur Begrünung gleich mitbringen. Der beste Zeitpunkt für das Errichten von Laube & Co. ist im Herbst. Kletterpflanzen, die jetzt in die Erde kommen, wachsen besonders gut an und haben bereits im nächsten Sommer dichtes Blattwerk gebildet.

Schattengarten

Foto: BGL/PdM. – Der Lieblingsplatz an warmen Sommertagen: eine Bank im Schatten. Gute Beratung im Fachhandel hilft, die richtigen Gehölze und Stauden für einen solchen lichtarmen Standort zu finden, oder man überlässt einem Fachmann die Gestaltung eines stimmungsvollen Schattengartens.

Kommentar

Ursprünglich und romantisch

Im Cottagegarten steht die Zeit still

Betonierte Flächen, soweit das Auge reicht, Hausfassade an Hausfassade, ein Auto folgt dem nächsten – im modernen Stadtleben ist für Natur wenig Platz. Umso wichtiger sind Parks und Gärten: Sie bringen die leuchtenden Farben und vielfältigen Formen der Pflanzen in den Alltag, schaffen ruhevolle und idyllische Momente, helfen zu entspannen und tief durchzuatmen. Besonders erholsam sind gemütliche und vor allem farbenfrohe Gärten mit dem Charme längst vergangener Zeiten: Nichts ist reduziert, künstlich elegant oder auf Hochglanz getrimmt. Bei Gärten im Stil englischer Cottagegärten etwa übernehmen minimal gezähmte Wildheit und Lässigkeit das Zepter und verzaubern durch ein üppiges Nebeneinander vielfältiger Pflanzen und jede Menge Fantasie. Überall blüht es, die Wege und Mauern sind malerisch überwachsen, Bienen, Schmetterlinge und Vögel sind willkommene Gäste. Die Zeit scheint hier stillzustehen zwischen Stauden, Gehölzen und Zwiebelblumen: Ein ländlicher Traum, manchmal sogar mitten in der Stadt.

Von der Vorratskammer zum Wohnzimmer

Im 17. Jahrhundert dienten Cottagegärten noch als reine Nutzgärten, ähnlich den traditionellen deutschen Bauerngärten. Als Cottage wurde ein kleines Haus bezeichnet, welches die Landarbeiter bewohnten. Was im Garten wuchs, diente der Ernährung: Obst, Gemüse und Kräuter. Was nicht nützlich war, war wertlos. Da die Cottagegärten nicht sehr groß waren, wurde dicht gepflanzt, kaum ein Krümel Erde blieb sichtbar. Erst nach und nach wurden die Lücken zwischen Salat und Kohl auch mit Wiesenstorchschnabel (Geranium pratense), Margeriten (Leucanthemum) und Ackerveilchen (Viola arvensis) bepflanzt oder sogar mit prächtigen Pfingstrosen (Paeonia), Tulpen (Tulipa) und Rosen (Rosa) verziert. Auch für den modernen Cottagegarten ist Vielfalt auf kleinem Raum typisch, statt Formvollendung verkörpert dieser Gartentyp natürliche Fröhlichkeit und Inspiration. Blumenbeete und Rabatten gehören dazu, eine Obstwiese, ein Gartenhäuschen, Sitzplätze und Gartenwege. Der klassische grüne Rasen hingegen spielt keine Rolle. Um den rustikalen und wilden Charme des Cottagegartens nicht zu schmälern, ist es wichtig, das Haus und andere bauliche Gegebenheiten geschickt einzubinden. Die überbordende Blütenpracht von Blauregen (Wisteria) etwa durchbricht die Sachlichkeit moderner Hausfassaden und selbst dem Carport lässt sich durch eine üppig berankte Pergola und eine lockere Randbepflanzung aus Lupinen (Lupinus), Strauchrosen und Nelken (Dianthus) etwas von seiner Modernität und Schlichtheit nehmen.

Reizende Vagabunden und duftender Rosenzauber

Im Cottagegarten wachsen vielerlei Gewächse einträchtig nebeneinander: Nur Exoten finden sich selten. Meist sind die Pflanzen robust, haben große, oftmals gefüllte Blüten und zarten bis intensiven Duft. Unkomplizierte Schönheiten sind zum Beispiel Mädchenauge (Coreopsis), Sonnenhut (Rudbeckia), Sonnenbraut (Helenium), Pfingstrose (Paeonia), Storchschnabel (Geranium) und Trollblume (Trollius). Wie von Zauberhand ziehen Fingerhut (Digitalis) und Seidenmohn (Papaver rhoeas) durch den Garten und erobern immer wieder neue Plätze. Auch Sommerphlox (Phlox) sorgt mit seinen malerischen Horsten für kräftige Farbtupfer. Im Schatten gedeihen Bauernhortensien (Hydrangea macrophylla), Prachtspieren (Astilbe) und Silberkerzen (Cimicifuga). Wer darauf achtet, dass zu jeder Jahreszeit etwas blüht, schafft sich einen lebendigen Kalender im Garten. Hierbei unterstützen Landschaftsgärtner den Laien. Kein Cottagegarten kommt ohne Rosen aus: Nostalgische Burgundertöne, romantisches Rosarot und zartes Apricot – wie schön! Auch für die Nase! Hohe Strauch- und Kletterrosen wirken am besten als Solitär, kleinere Beetrosen werden durch blaublühenden Rittersporn (Delphinium), die grüngelben, unaufdringlichen Blütenwolken des Frauenmantels (Alchemilla), blauen Lavendel (Lavandula) oder die ebenfalls duftende Katzenminze (Nepeta) formvollendet begleitet. Obstbäume, deren Stamm Efeu (Hedera helix) oder Ramblerrosen umranken, Beeren- und Schmetterlingssträucher (Buddleja davidii) und eine Sommerblütenwiese gehören ebenfalls in den Cottagegarten.

Wild thing?

Entspannung und Erholung im paradiesischen Cottagegarten zu finden ist ein Leichtes. Es lässt sich bestens Lustwandeln entlang der prächtigen Beete und über malerisch verlaufende Wege und Treppen. Zur Ruhe gelangen Gestresste auch auf der Terrasse vor der abends noch sonnenwarmen Natursteinmauer. Stein schmückt sich rasch mit der Patina, die einen Cottagegarten ausmacht – ebenso Holz. Bei der Verarbeitung beider Baustoffe ist allerdings Fingerspitzengefühl und Fachwissen gefragt: Mauern etwa brauchen ein gutes Fundament, damit sie nicht irgendwann einfach einstürzen, vor allem wenn sie abschüssigem Gelände als Stütze dienen. Gleich beim Bau setzen Landschaftsgärtner oft einige schmückende Polsterstauden ein, deren Wurzelwerk zusätzlich hält: Auch ein Cottagegarten, in dem alles zufällig, fast nachlässig wirkt, muss gut durchdacht sein, um seinem Besitzer Freude zu bringen.

Cottagegarten Emailgröße

Foto: BGL/PdM. – Wie im Urlaub: Die Blütenfülle eines abwechslungsreich bepflanzten Gartens auf dem Lande weckt Sehnsüchte. Ein solch vielseitiger und farbenfroher Garten lässt sich aber auch ohne Reetdachhaus verwirklichen. Dicht bepflanzt, ist kein Krümel Erde zu sehen und der Platz bestens genutzt.

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