Archiv des Monats Mai 2009

Den Garten raffiniert gestalten

Texturen und Strukturen

Es ist kein Zufall, dass viele Blüten bestimmte Farben haben. Dies hat sich im Laufe der Evolution für zahlreiche Pflanzen als vorteilhaft erwiesen, denn ihre Farben locken Bestäuber an. Wenn Insekten auf der Suche nach Nahrung in eine Blüte eintauchen, bleibt Pollen an ihnen hängen, den sie an andere Blüten weitergeben. Pflanzen, deren Pollen durch Wind verbreitet werden, brauchen dahingegen keine auffallenden Blüten. Für sie reichen einfach gebaute, unauffällige Blütenstände. Entscheidend ist, dass der Wind die Pollen leicht davon tragen kann und das erreichen die Pflanzen zum Beispiel dadurch, dass sie schon vor dem Blattaustrieb blühen.

Den Garten anders sehen

Das Lockmittel Farbe lässt auch den Menschen nicht unbeeinflusst. Pflanzen mit auffallenden Blüten ziehen die Blicke auf sich und haben große Chancen, ein neues Zuhause in einem privaten Garten zu finden. Markante Formen wie ein säulenförmiger oder kugeliger Wuchs fallen ebenfalls auf und sind ein weiteres Entscheidungskriterium für den Kauf einer Pflanze. Doch auch andere, häufig weniger stark beachtete Eigenschaften machen viele Gehölze interessant: Aspekte wie die Textur, also die Beschaffenheit der Pflanzenoberfläche, und die Struktur bzw. der innere Aufbau einer Pflanze tragen zu ihrem Charakter bei und bieten viele Gestaltungsmöglichkeiten.

Zum Streicheln

Die Oberfläche von Blättern kann beispielweise deutlich sicht- und fühlbare Blattadern haben oder durch viele kleine Härchen samtig weich sein wie bei der Raublatt- oder Riesenblatt-Hortensie (Hydrangea aspera ‚Macrophylla‘). Sie wird wegen der weichen Blattoberfläche manchmal auch als Samt-Hortensie bezeichnet. Die dunkelgrünen, an der Oberseite rau behaarten, unterseits weißfilzigen Blätter werden bis zu 35 Zentimeter lang. Im Juli und August blüht diese Hortensie. Ihre schirmartigen, sehr nostalgisch anmutenden Blütenstände sind etwa 20 bis 30 Zentimeter groß und bestehen aus unterschiedlichen Blüten: Diejenigen in der Mitte sind rosalila bis zartviolett, die am Rand weiß.

Zum Staunen

Der Gelbe Urweltmammutbaum (Metasequoia ‚Goldrush‘) ist etwas ganz Besonderes. Er hat goldgelbe, weiche, fast farnartige Nadeln. Dieser kleine, kegelförmig wachsende Baum ist bisher wenig bekannt – kein Wunder, denn er stammt von dem erst um 1940 in einer schwer zugänglichen Region in China entdeckten grünlaubigen Urweltmammutbaum ab. Dieser Baum, botanisch Metasequoia glyptostroboides, gilt wie der Ginkgo als „lebendes Fossil“. Der Ginkgo wird allerdings schon seit Jahrtausenden im Fernen Osten kultiviert, den Urweltmammutbaum kannte man dagegen bis zur Entdeckung der ersten lebenden Pflanzen nur aus Versteinerungen, die in China, aber auch in Europa gefunden wurden. Die Bäume waren während des Erdmittelalters, im Tertiär, weit verbreitet. Bald nach seiner Entdeckung fand dieser schnellwachsende Baum den Weg nach Europa, wo er ungefähr seit 1950 gerne in Parkanlagen und großen Gärten gepflanzt wird. Der Gelbe Urweltmammutbaum benötigt weniger Platz als die grünlaubige Urform, denn er wächst langsam und wird nur etwa sechs bis acht Meter hoch.

Außergewöhnlicher Wuchs

Auch die Hänge-Buche ‚Purple Fountain‘ (Fagus ‚Purple Fountain‘) ist ein eindrucksvoller Baum mit einer interessanten Wuchsform. Seine Äste und Zweige neigen sich kaskadenartig nach unten und erzeugen den Eindruck einer Fontäne oder eines Wasserfalls, wenn sich die Blätter im Wind bewegen. Die Blätter sind im Austrieb rot, später dunkel Purpurrot. Dieser Baum stammt von unserer heimischen Buche ab, die durchaus 30 Meter hoch werden kann. ‚Purple Fountain‘ bleibt viel kleiner und erreicht nur eine Höhe von etwa sieben Metern. In Einzelstellung gepflanzt oder vor einem hellen Hintergrund kommt ihre elegante, fließende Form besonders gut zur Geltung.

Schön vom Frühjahr bis zum Herbst

Im großen Staudensortiment finden sich ebenfalls Besonderheiten, bei denen nicht die Blüten im Vordergrund stehen, und die dennoch während der gesamten Gartensaison sehr dekorativ sind. Der Weißbunte Gold-Felberich (Lysimachia ‚Alexander‘) ist eine sehr effektvolle, etwa 70 bis 100 Zentimeter hohe Staude mit grün-weißen Blättern. Von Juni bis August erscheinen leuchtend gelbe, schalenförmige Blüten. Wegen der panaschierten Blätter fällt ‚Alexander‘ aber auch schon lange vor und nach der Blütezeit auf. Er ist ein guter Partner für grünlaubige Stauden wie Astilben, aufrechtwachsende Glockenblumen oder den bis einen Meter hohen Blutweiderich.

Es gibt noch mehr …

Neben dem Weißbunten Gold-Felberich, der Hänge-Buche ‚Purple Fountain‘, dem Gelben Urweltmammutbaum und der Raublatt-Hortensie sind noch viele andere Pflanzen vor allem wegen ihrer außergewöhnlichen Blätter oder ihres Wuchses sehr interessant. Wer bei der Pflanzenauswahl auch auf diese Eigenschaften achtet, wird in guten Baumschulen und Gartencentern eine Fülle schöner Gehölze und Stauden für die abwechslungsreiche und raffinierte Gestaltung seines Gartens finden.

Lysimachia Alexander Kleinbild

Foto: PdM. – Die Blätter der Rau- oder Riesenblatthortensie haben eine samtweiche Oberfläche. Sehr romantisch und ein schöner Kontrast: Die großen, schirmartigen Blütenstände, die im Juli und August erscheinen und aus unterschiedlichen Blüten bestehen.

Kommentar

Pflanzen für mehr als eine Jahreszeit

Wenn der Garten klein ist

Wer einen Baum oder Zierstrauch pflanzen möchte, sollte sich beim Kauf nicht unbedingt nur vom ersten Eindruck leiten lassen. Vor allem, wenn der Garten klein ist, lohnt es sich, Pflanzen auszuwählen, die mehrmals im Jahr mit besonderen Eigenschaften auffallen, wie beispielsweise schönen Blüten im Frühjahr, farbenfrohem Fruchtschmuck im Herbst oder besonderen Wuchseigenschaften.

Die Jahreszeiten miterleben

Zu den Pflanzen, die mehrere Trümpfe innerhalb einer Gartensaison ausspielen, gehören die Ebereschen, auch Vogelbeeren genannt. Sie haben schöne Blätter, die je nach Art ganz unterschiedlich geformt sind. Manche sind z.B. gefiedert, andere ganzrandig mit einer silbrig schimmernden Unterseite. Einige beeindrucken außerdem mit einer gelben bis feurig orangeroten Herbstfärbung. Im Mai und Juni erscheinen schirmförmige Blütenstände aus kleinen cremefarbenen Blüten. Aus ihnen entwickeln sich im Herbst viele auffallende, meistens orangefarbene oder rote Früchte, die bis zum Winter an den Zweigen bleiben. Es gibt sogar Ebereschen mit weißen, gelben oder rosafarbenen Beeren.
Auch Zieräpfel lassen die Jahreszeiten deutlich miterleben und sind im Frühling und im Herbst besonders eindrucksvoll: Im Mai sind sie überreich mit weißen, rosafarbenen oder roten Blüten bedeckt, im Herbst tragen sie auffallende Miniäpfel, oft in leuchtenden Gelb-, Orange- oder Rottönen. Die Früchte bleiben bei einigen Zierapfelbäumen bis weit in den Winter hinein an den Zweigen.

Auch den Winter im Blick

Manche Gehölze sind das ganze Jahr über interessant wie die Korkenzieherhasel mit ihren stark gedrehten Zweigen und krausen Blättern. Im Frühjahr hängen an den Trieben lange, gelbe Blütenkätzchen, danach erscheinen die großen gekräuselten Blätter, die sich im Herbst gelb färben. Nach dem herbstlichen Laubfall ist der Blick frei auf die bizarr gewundenen Zweige.
Auch die auffallend gefärbte Rinde einiger Ziersträucher und Bäume trägt dazu bei, dass der Garten im Winter schöne Impressionen bietet, z.B. mit verschiedenen Hartriegel-Sorten. Der Sibirische Hartriegel beispielsweise hat intensiv rote, der Gelbholz-Hartriegel leuchtend grüngelbe Triebe, die im Winter besonders gut zur Geltung kommen. Manche Birken sind dann wegen ihrer strahlend weißen Rinde ebenfalls eindrucksvoll. Auch einige Ahornarten wie der Schlangenhaut- und der Zimt-Ahorn haben eine interessante Rinde. Außergewöhnlich ist der Stamm der Mahagoni-Kirsche, der eine unwiderstehliche Anziehungskraft hat: Die Rinde glänzt mahagonibraun und löst sich in unregelmäßigen Streifen vom Stamm.

Besonders platzsparend

Kletterpflanzen benötigen nur wenig Grundfläche im Garten und sind trotzdem sehr effektvoll wie die im Juni und Juli blühende Kletterhortensie. Sie hat dekorative Blütenschirme aus vielen kleinen cremeweißen Blüten, die sehr romantisch wirken und einen schönen Kontrast zu den dunkelgrünen Blättern bilden. Im Herbst färben sich die Blätter leuchtend gelb.
Clematis sind aparte Kletterpflanzen, die meistens hübsche sternförmige oder glockenförmige Blüten haben. Bei einigen Wildformen wie der Gold-Waldrebe bilden sich nach der Blüte fedrige, silbrig-glänzende Samenstände, die an kleine Perücken erinnern und die Pflanzen bis in den Winter hinein schmücken.

Außergewöhnlich und schön

Manche Bäume und Sträucher können – ähnlich wie Kletterpflanzen – an einer Mauer empor wachsen und benötigen dann wenig Platz. Sie brauchen dazu aber eine Stütze, die ihnen Halt und Form gibt. An einem Spalier an der Hauswand lassen sich selbst in kleinen Gärten z.B. Birnbäume ziehen. Sie verschönern mit ihren Blättern Wände, die sonst kahl wären, und erfreuen im Frühjahr zusätzlich mit ihren Blüten, im Herbst mit ihren Früchten. An Spalieren wachsende Pflanzen sind gestalterisch sehr interessant. Außerdem besteht so die Möglichkeit, an einer Südwand, die die Wärme gut speichert, Obstgehölze zu kultivieren, für die es sonst zu kühl wäre.
Auch der Feuerdorn ist keine Kletterpflanze, doch manche Sorten haben lange Triebe, die mit Hilfe von Spanndrähten an einer Wand entlang wachsen können und so viel Farbe auf kleiner Grundfläche bieten: Je nach Froststärke behält der Feuerdorn seine glänzendgrünen Blätter das ganze Jahr über und wirft die alten erst ab, wenn er nach dem Winter neu austreibt. Im Mai und Juni erscheinen cremeweiße schirmförmige Blütenstände, von September bis zum Frost zieren ihn dichte Büschel gelber, orangefarbener oder roter Beeren.

Fachkompetenz nutzen

Es gibt noch viele andere Gehölze, die mehrmals im Jahr oder sogar das ganze Jahr über interessant sind. Weil viele Pflanzeneigenschaften beim Kauf noch nicht erkennbar sind, ist vorher ein Blick in Kataloge und Fachbücher oder auf Internetseiten wie www.der-garten-bewegt-mich.de nützlich. Auch die Fachleute in Gartencentern, Gärtnereien und Baumschulen können weiterhelfen und auch klären, ob die gewünschte Pflanze für den entsprechenden Standort geeignet ist. So lassen sich für nahezu alle Wünsche Pflanzen finden, die über lange Zeit Freude bereiten und auch in kleinen Gärten groß rauskommen.

Zieräpfel klein

Foto: PdM. – Zierapfelbäume spielen ihre Trümpfe mehrmals im Jahr aus: Im Frühling beeindrucken sie mit vielen schönen Blüten, im Herbst mit farbenfrohen Früchten. Die Miniaturäpfel bleiben manchmal sogar bis in den Winter hinein an den Zweigen.

Kommentar

Wasserwelt im Garten

Pflanzen rund um den Teich

Der viel beschriebene „Urlaub im eigenen Garten“ bekommt eine ganz neue Bedeutung, wenn dort Wasser plätschert und glitzert. Das Element Wasser bietet auch im eigenen Garten die Möglichkeit, dem geschäftigen Trubel des Alltags zu entfliehen und lädt zum Entspannen ein. Bei schönem Wetter kann man sich auf einem Sitzplatz direkt am Ufer niederlassen und einfach abschalten, zum Beispiel mit einem guten Buch – und den Füßen im Wasser. Abschalten vom Alltag kann man auch bei der Teichpflege und der Beobachtung der wasserliebenden Gartenmitbewohner. Eine sumpfige Uferzone bietet vielen Tieren eine Kinderstube. Liebhaber naturnaher Teiche können hier beispielsweise Molche, Wasserläufer, Libellen und Frösche beobachten, die sich am und im Wasser tummeln, oder die Vögel, die zum Trinken oder Baden vorbeikommen.

Ist die Uferzone mit Stauden, Gräsern und Gehölzen bepflanzt, bildet sie einen harmonischen Übergang zum restlichen Garten. Sie kann so gestaltet werden, dass sich die Pflanzenarten und Blütenfarben auch in den anderen Beeten im Garten wiederfinden.
Die Uferzone des Gartenteichs teilt sich in unterschiedliche Lebensbereiche. Die so genannte Sumpfzone liegt im Schwankungsbereich des Wassers. Sie ist mal überflutet, kann aber auch abtrocknen. Hier fühlen sich Pflanzen wie der purpurrosafarbene Blut-Weiderich (Lythrum salicaria), die blaue Sumpf-Schwertlilie (Iris laevigata) oder die gelbe Dotterblume (Caltha) wohl. Die Feuchtzone befindet sich auch innerhalb der Teichdichtung, oberhalb des Wasserspiegels. Die Erde ist hier feucht, aber nicht überflutet. Gelbgrün blühender Frauenmantel (Alchemilla), die violettblaue Dreimasterblume (Tradescantia) und die gelbe Trollblume (Trollius) können hier gut wachsen, außerdem Gräser wie die Morgenstern-Segge (Carex grayi) oder das Goldleistengras (Spartina). Diese Pflanzen fühlen sich auch in normaler Gartenerde wohl und können deshalb – als wiederkehrendes gestalterisches Element – sowohl am Teichrand als auch in den Gartenbeeten verwendet werden.

Es gibt auch einige Gehölze, die nah am Rand eines naturnahen Teiches wachsen können und Feuchtigkeit bzw. gelegentliche Überflutung vertragen. Hierzu zählen beispielsweise der stattliche Amberbaum (Liquidambar styraciflua) und der Rot-Ahorn (Acer rubrum). Auch Sträucher wie die Weide (Salix) oder der Gewöhnliche Schneeball (Viburnum opulus) vertragen nasse Böden. Sie stehen gut auf der Rückseite naturnaher Teiche und geben der Wassergartenlandschaft so einen schönen grünen Hintergrund. Kletterkünstler wie der Wilde Wein (Parthenocissus) oder die Gewöhnliche Waldrebe (Clematis vitalba) können sich ebenfalls gut mit einem schwankenden Wasserstand arrangieren. Sie schaffen durch ihr fein gegliedertes Laub oder ihre filigrane Blüten natürliche, wildromantische Stimmung am Wasserrand.

Der ideale Standort für einen Teich ist ein heller und sonniger Platz im Garten, denn viele der Wasser- und Uferpflanzen sind sonnenhungrig. Dauerschatten kommt für einen Wassergarten deshalb nicht in Frage. Besonders natürlich wirkt der Teich, wenn er in einer leichten Senke angelegt wird. Wer in seinem fertig gestalteten Garten nachträglich ein Feuchtgebiet integrieren oder den vorhandenen Wassergarten mit einem Bachlauf oder einem Pfad aus Trittsteinen verschönern möchte, der kann sich professionelle Hilfe vom Landschaftsgärtner holen. Der Profi weiß, welche Materialien am besten zum Einsatz kommen und wie man einen neuen Teich fachgerecht und harmonisch in einen älteren Garten einfügt.

Wasserwelt klein

Foto: BGL/PdM. – Ein Teich im Garten – davon träumen viele. Fachmännisch angelegt und umgeben von Pflanzen, bietet er viele Möglichkeiten, den Sommer im Freien zu genießen und dem Trubel des Alltags zu entfliehen.

Kommentar

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