Archiv des Monats Mai 2008

Oben ohne – besser nicht!

Blühende Schattenspender

Strahlend blauer Himmel und Sonne pur – solches Wetter lockt nach draußen. Dann haben Biergärten mit altem Baumbestand Hochkonjunktur. Hier kann man es bei hohen Temperaturen gut aushalten: Wer draußen sitzt, ist durch das grüne Blätterdach der Bäume vor zuviel Sonne geschützt. Beneidenswert, wenn auch im eigenen Garten ein großer, schattenspendender Baum wächst. Dieses Glück haben nur wenige – schade, denn nirgends ist bei Sonnenschein der Urlaub vom Alltag so einfach möglich wie im Garten.

Grüne Dächer, grüne Wände

Relativ rasche Abhilfe bieten Kletterpflanzen, die auf unterschiedlichste Weise dazu beitragen, dass man warme Tage im Garten gut geschützt verbringen kann – geschützt vor zuviel Sonne oder auch vor neugierigen Blicken. Mit Kletterpflanzen bewachsene Lauben und Pergolen sorgen für kühlenden Schatten und verschönern gleichzeitig den Garten. Während eine Laube frei im Garten steht, ist eine klassische Pergola ein überdachter, aber offener Anbau an einem Gebäude. Zum Bau ist ein Gerüst notwendig, das den Pflanzen Halt bietet. Wegen der nach oben hin halboffenen Konstruktion können die Pflanzen den Sitzplatz überwachsen und einen luftdurchlässigen Baldachin bilden. Durch das Blätterdach entsteht ein offener Raum mit einer besonderen Atmosphäre. Hier zeigt sich an sonnigen Tagen ein faszinierendes Wechselspiel von Licht und Schatten. Solch eine Pergola oder Laube ist oft der Lieblingsplatz im Garten.

Schön und nützlich

Kletterpflanzen benötigen nur wenig Grundfläche, denn sie wachsen in die Höhe. Sommergrüne Kletterer wie Wilder Wein lassen die Jahreszeiten besonders intensiv miterleben; immergrüne wie Efeu bedecken dagegen auch im Winter wie ein wärmender Mantel Wände und Mauern. Die Verwendung von Kletterpflanzen hat eine lange Tradition und lässt sich bis in die Antike zurückverfolgen. Sie war im mediterranen Raum weit verbreitet. In Ägypten gab es bereits vor rund 4000 Jahren Weinlauben, die Schatten spendeten und es zusätzlich ermöglichten, Trauben zu ernten. Aus dem Mittelalter ist bekannt, dass Lauben nicht nur mit Wein, sondern auch mit Kletterrosen und Geißblatt begrünt wurden. In der Renaissance waren mit Kletterpflanzen bewachsene Pergolen, Spaliere und Lauben wichtige Gestaltungsmittel im Garten. Heutzutage kommen Kletterpflanzen dem Trend, den Garten als Erweiterung des Wohnraumes zu nutzen, entgegen. Bewachsene Rankgitter zum Beispiel schützen Terrassen vor neugierigen Blicken und verbergen nicht ganz so attraktive Gartenbereiche. Kletterpflanzen bieten auch Schutz vor Wind, binden Staub und dämpfen Lärm.

Eine lange Partnerschaft

Es gibt viele mehrjährige Kletterpflanzen, die sich für einen Sicht- oder Sonnenschutz wie zum Beispiel eine Pergola eignen. Damit die Freude daran lange währt, ist ein stabiles Gerüst aus witterungsbeständigem Material sowie die solide Verarbeitung und Befestigung wichtig. Die Experten aus dem Garten- und Landschaftsbau können bei der Auswahl des Materials beraten und eine Pergola individuell gestalten. Sie wissen auch, welche Pflanzen für welche Standorte am besten geeignet sind, kennen deren Wuchskraft und Ansprüche an Boden und Licht. Gut für Pergolen, Lauben und auch für Laubengänge eignen sich unter anderem Kletterhortensien (Hydrangea petiolaris) und Blauregen (Wisteria). Diese Pflanzen sind sommergrün und sorgen in der warmen Jahreszeit für Schatten, im Winter dagegen lassen sie viel Licht durch.

Kletterstars

Die Kletterhortensie hat lockere Blütenstände und wirkt wegen ihrer cremeweißen Blüten sehr nostalgisch. Mit ihren Haftwurzeln wächst sie aus eigener Kraft in die Höhe. Sie erklimmt sogar Bäume, denn sie verträgt auch schattige Standorte. An hohen Wänden sollte man ihr aber eventuell eine Kletterhilfe bieten. Die Kletterhortensie kann im Alter so groß werden, dass die Haftwurzeln alleine nicht ausreichen, um das Gewicht zu halten. Der Blauregen hat einen höheren Lichtbedarf. Er benötigt eine stabile Kletterhilfe, denn er besitzt keine Haftwurzeln und wächst schnell. Im Mai und Juni erscheinen eindrucksvolle, bis zu 50 cm lange Blütentrauben. Anders als der Name vermuten lässt, gibt es neben blau auch weiß, rosa oder violett blühende Arten und Sorten. Die schönen, gefiederten Blätter des Blauregens tragen dazu bei, dass der neue Lieblingsplatz im Garten auch nach der Blüte sehr einladend ist.

Blauregen Schattenspender kompr Bild

Foto: BGL/PdM. – Echter Wucher! Der Blauregen, botanisch Wisteria, ist eine Kletterpflanze, die auf dem Weg nach oben Hilfe und Unterstützung benötigt. Aber dann lässt sie mit ihrer Blütenfülle im Frühjahr romantische Gartenträume wahr werden

Kommentar

Gartenschätze

Immergrüne Magnolien und Blumen-Hartriegel

Manche Bäume kennt fast jeder. Die Eiche beispielsweise ist vielen Menschen vertraut, denn ihr Blatt ist leicht wiederzuerkennen und häufig zu sehen, unter anderem auf den deutschen Cent-Münzen. Bei anderen Gehölzen helfen dagegen vor allem die Blüten weiter. Leuchtend gelb und im zeitigen Frühling blühend – das ist mit großer Wahrscheinlichkeit eine Forsythie; riesige weiße oder rosafarbene Blüten früh im Jahr – typisch Magnolie. Im Urlaub sieht man manchmal einen Baum, dessen cremeweiße Blüten stark an die von Magnolien erinnern, aber intensiv duften und erst zum Sommer hin erscheinen. Noch mehr ins Grübeln gerät man beim Blick auf die großen, glänzend dunkelgrünen Blätter, die auf der Unterseite bräunliche Härchen haben. Tatsächlich ist auch dies eine Magnolie, Magnolia grandiflora. Diese Art ist etwas Besonderes, denn sie wirft ihre Blätter im Herbst nicht ab und ist deshalb auch unter dem Namen Immergrüne Magnolie bekannt. Sie stammt ursprünglich aus dem Südosten der USA und ist dort so weit verbreitet, dass sie als eine Charakterpflanze der Südstaaten gilt. Die Artbezeichnung grandiflora, zu Deutsch „großblütig“, weist auf ein typisches Merkmal hin – die riesigen, bis zu 20 Zentimeter großen Blüten.

Von Natur aus schön

In wärmeren Regionen, zum Beispiel in Frankreich, sieht man die Immergrüne Magnolie manchmal als Straßenbaum in Innenstädten, in kühlerem Klima wird sie meist als Kübelpflanze verwendet. Von Vorteil ist, dass sie langsam wächst und keinen Schnitt benötigt. Wenn die Voraussetzungen günstig sind, kann die Immergrüne Magnolie aber auch in Deutschland ganzjährig im Freien wachsen und so ist sie zum Beispiel in Vorgärten im klimatisch begünstigten Rheinland oder in den Weinbaulagen Süddeutschlands zu finden. Wichtig für ihre gute Entwicklung ist ein vor Wind und zu starker Sonneneinstrahlung geschützter Standort mit gleichbleibend feuchtem Boden. Wie andere immergrüne Gehölze verdunstet sie auch im Winter Wasser über ihre Blätter. Sie muss deshalb in der kalten Jahreszeit ausreichend mit Feuchtigkeit versorgt werden und sollte vor austrocknender Wintersonne geschützt stehen.

Fernöstlicher Blütenzauber

Ein ebenfalls wenig bekanntes Schmuckstück für den Garten ist der Japanische Blumen-Hartriegel (Cornus-kousa-Sorten). Seine Zweige sind etagenartig angeordnet und setzen dadurch deutliche horizontale Akzente. Noch etwas ist außergewöhnlich: Die Blüten dieses eleganten Zierstrauches sind klein und unscheinbar; auffallend sind dagegen die großen Hochblätter, die sie umgeben. Sie machen den eigentlichen Zierwert dieses Hartriegels aus. Die Hochblätter sind nicht wie normale Blätter grün, sondern weiß, rosafarben oder rot. Aus botanischer Sicht gehören diese jeweils zu viert zusammen stehenden Blätter nicht zur Blüte. Anfangs schützen sie die kleinen Blüten; später, wenn sie sich entfaltet haben, locken sie mit ihrer auffallenden Farbe Bestäuber an. Markant sind auch die ganz normalen, dunkelgrünen Blätter des Japanischen Blumen-Hartriegels: Sie stehen sich jeweils an den Trieben gegenüber und sind leicht gewellt. Außerdem sind ihre mehr oder weniger parallel verlaufenden Blattadern zum Teil sehr deutlich zu sehen.

Feuriges Finale im Herbst

Die Japanischen Blumen-Hartriegel gehören zu den blühfreudigsten Ziersträuchern, die man sich denken kann: Im Juni sind ihre grünen Blätter unter all den weißen, rosafarbenen oder roten Hochblättern kaum mehr zu erkennen. Gegen Ende des Sommers beeindrucken die Blumen-Hartriegel mit intensiv roten Früchten, die an Himbeeren erinnern. Auch im Herbst ist der Japanische Blumen-Hartriegel nicht zu übersehen, denn seine Blätter färben sich dann leuchtend rot bis rotviolett. Um die typische, etagenartige Wuchsform nicht zu beeinträchtigen, sollte man den Japanischen Blumen-Hartriegel möglichst nicht zurückschneiden. Statt dessen empfiehlt sich ein Standort, an dem er sich frei entfalten kann und sein schöner Wuchs besonders gut zur Geltung kommt.

Cornus kousa

Foto: PdM. – Der Japanische Blumen-Hartriegel hat sehr schöne, auffallende Hochblätter, die die kleinen, unscheinbaren Blüten umgeben. Die Hochblätter erscheinen in so großer Zahl, dass die grünen Blätter darunter kaum mehr zu sehen sind.

Kommentar

Bodendecker für den Halbschatten

Grüne Teppiche statt nackter Erde

Pflanzen bringen Farbe in unsere Welt: Kletterpflanzen verdecken graue Mauern, Blütenhecken bilden farbenfrohe Grenzen, und mit Bodendeckern wird auch die Welt zu unseren Füßen schöner und bunter. Dichtwachsende, niedrige Pflanzen wie klein bleibende Stauden und flachwachsende Gehölze sind attraktiver als kahle Erde im Garten. Wenn sie den Boden wie mit einem dichten Teppich abdecken, verhindern sie außerdem die Keimung unerwünschter Pflanzen. Bodendeckende Gehölze und Stauden eignen sich unter anderem gut für Hänge oder für halbschattige Standorte unter oder neben lichten Bäumen und Sträuchern. Werden unterschiedliche Arten und Sorten und Pflanzen verschiedener Höhen miteinander kombiniert, können auch problematischere Standorte abwechslungsreich und interessant aussehen und den Garten bereichern.

Kreislaufwirtschaft

Schöne Bodendecker für lichtarme Gartenbereiche sind unter anderem Elfenblumen (Epimedium-Arten und -Sorten), Golderdbeeren (Waldsteinia ternata) und das Frühlings-Gedenkemein (Omphalodes verna). Elfenblumen sind zarte Schönheiten mit dekorativen, herzförmigen Blättern und zierlichen Blüten, die in der Tat wie kleine Elfen über dem Laub schweben. Die Blüten sind weiß, gelb, rosafarben oder rötlich und erscheinen im April und Mai. Obwohl diese Stauden sehr zart wirken, sind sie robust und sie sind gute „Laubschlucker“: Das Herbstlaub, das auf diese Stauden fällt, braucht nicht entfernt zu werden, denn es rutscht zwischen die Pflanzen bzw. unter die Blätter. Dort wird es dann von Bodenlebewesen zersetzt. Es trägt so zur Lockerung des Bodens bei und steht als Nährstoff für die Pflanzen zur Verfügung. Im Frühling blüht auch die sehr wuchsfreudige, etwa 10 Zentimeter hohe Golderdbeere. Die Form ihrer intensiv goldgelben Blüten erinnert an die Blüten der Erdbeere und auch die glänzenden, immergrünen Blätter ähneln denen einer Erdbeerpflanze.

Himmlisches Blau

Das Frühlings-Gedenkemein bildet dichte Teppiche im lichten Schatten vor Mauern oder unter locker wachsenden Gehölzen. Diese etwa 20 Zentimeter hohe Staude gedeiht am besten auf lockeren, humosen Böden. Sie ist ursprünglich eine Waldstaude und stammt aus Südeuropa. Das Frühlings-Gedenkemein bildet Ausläufer und entwickelt sich so rasch zu einem dichten Laubteppich. Die Blätter leuchten frischgrün und sind lanzettlich bis herzförmig. Im April und Mai zeigen sich die himmelblauen, an Vergissmeinnicht erinnernden kleinen Blüten dieser Staude. Ähnlich wie die Blüten der Elfenblumen scheinen auch sie über den frischgrünen Blättern zu schweben, denn die zarten Blütenstängel sind kaum zu sehen. Vom Frühlings-Gedenkemein gibt es auch eine weißblühende Sorte, Omphalodes verna ‚Alba‘. Schöne Partner für das Frühlings-Gedenkemein sind Farne, die Schaumblüte (Tiarella) und die Golderdbeere, die ebenfalls Abwechslung in lichtarme Gartenecken bringen.

8307-050 Omph verna kompakt

Foto: PdM. – Einfach schön: das Frühlings-Gedenkemein. Diese Staude bereichert unter anderem Standorte im lichten Schatten unter Bäumen – statt kahler Erde ein dichter Teppich aus frischgrünen Blättern und himmelsblauen Blüten.

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