Archiv des Monats Oktober 2007

Wildobst

Nicht nur für Feinschmecker:
Wildobst

„Was ist denn das?“ fragt sich jetzt mancher, wenn er in Gärten oder Parkanlagen einen kleinen Baum mit sehr ungewöhnlichen Früchten sieht. Sie sind bis zu 4 Zentimeter groß, braun, rundlich und unten merkwürdig gezackt. Die Rede ist von der Echten Mispel (Mespilus germanica), einem wärmeliebenden Gehölz mit dekorativen, essbaren Früchten. Gelegentlich sieht man diesen kleinen Baum sogar in Innenstädten. Kein Wunder, dass er gut im Stadtklima gedeiht und auch sommerliche Hitzeperioden verträgt, denn die Echte Mispel kommt ursprünglich aus Südeuropa, dem Kaukasus und dem Iran. Sie ist schon seit langem in Deutschland eingebürgert und ist auch ein pflegeleichtes und interessantes Fruchtgehölz für Hausgärten. Sie kann auch für Hecken und als Vogelschutzgehölz verwendet werden.

Neue Geschmackserlebnisse aus dem Garten

Die Echte Mispel wird etwa 3 bis 5 Meter hoch und entwickelt sich zu kleinen Bäumen oder großen Sträuchern. Sie zählt zu den Wildobstgehölzen. „Wild“ heißt dabei nicht, dass es sich um Pflanzen mit ungebändigtem Wuchs, wenig Zierwert oder geringem Fruchtertrag handelt. Der Begriff bezieht sich vielmehr darauf, dass die Pflanzen züchterisch nicht oder nur wenig bearbeitet wurden. Zum so genannten Wildobst gehören zum Beispiel auch Schwarzer Holunder (Sambucus nigra), Felsenbirne (Amelanchier), Apfelbeere (Aronia) und Kornelkirschen (Cornus mas). Sie bieten ungewöhnliche Geschmackserlebnisse, denn die Früchte, auch in verarbeiteter Form, gehören nicht zum Standardsortiment des Handels.

Erst den Frost abwarten

Vermutlich gelangte die Echte Mispel schon vor circa 2000 Jahren mit römischen Soldaten in die Regionen nördlich der Alpen, wo sie seitdem als Obstgehölz gepflanzt wird. Im Mittelalter wurde sie besonders geschätzt und war früher oft in Bauerngärten zu finden. Inzwischen erleben alte, fast in Vergessenheit geratene Obstgehölze wie die Echte Mispel eine Renaissance. Ihre hübschen, weißen Blüten erscheinen im Mai und Juni und sehen aus wie Apfelblüten. Die Blätter sind bis zu 12 Zentimeter lang und an der Unterseite fein behaart. Sie sind sommergrün; im Herbst färben sie sich rotbraun bis leuchtend orangegelb. Die sehr markanten, länglich-runden, braunen Früchte haben eine raue, etwas filzige Schale. Sie schmecken süß-säuerlich und werden erst nach Frosteinwirkung genießbar. Erst dann können sie roh gegessen werden; sie eignen sich aber auch gut für Marmelade, Gelee, Saft, Likör oder Obstwein.

Vielseitiger Sanddorn

Der Sanddorn (Hippophae rhamnoides) ist ebenfalls ein robustes Wildobstgehölz. Er beeindruckt mit einem eigenwilligen Wuchs, silbriggrauen Blättern und auffallenden Früchten. Die länglich-schmalen Blätter verleihen dem oft bizarr wachsenden Baum oder Strauch einen ganz besonderen Reiz. Auch nach dem herbstlichen Blattfall ist der Sanddorn interessant, denn die leuchtend orangefarbenen Beerenfrüchte bleiben bis in den Winter hinein an den Zweigen haften. Die dicht mit Früchten besetzten Zweige kommen auch in der Vase gut zur Geltung. Die Sanddornbeeren sind essbar und enthalten viele Vitamine; ihr Vitamin-C-Gehalt ist besonders hoch. Sie schmecken herb-säuerlich und lassen sich gut zu Marmelade, Saft, Likör, Sirup oder in Saucen verarbeiten.

Anspruchslos

Der Sanddorn ist sehr anspruchslos. Er gedeiht noch auf ärmsten Sandböden und verträgt relativ hohe Salzgehalte, Hitze und Wind. Darum ist er in den Küstenregionen weit verbreitet und auf den Ostfriesischen Inseln und an der mecklenburgischen Küste sehr häufig zu finden. Vor dem Pflanzen sollte man wissen, dass der Sanddorn zweihäusig ist. Das heißt, dass eine Pflanze entweder nur weibliche oder nur männliche Blüten trägt. Für eine reiche Beerenernte sollten am besten mehrere Exemplare beiderlei Geschlechts gepflanzt werden.

Außergewöhnliches für die Küche

Der robuste und pflegeleichte Sanddorn wird nicht nur von Gartenbesitzern wiederentdeckt, sondern auch vom professionellen Obstbau. Deshalb werden inzwischen von diesem Wildobst besonders gute und ertragreiche Exemplare gezielt vermehrt. So sind mittlerweile viele Sanddornsorten entstanden und es gibt Züchtungen, die größere Früchte als die Wildart haben. Wer sich bei der Gartenplanung von dem großen Wildobstsortiment inspirieren lässt, kann dann direkt hinter dem Haus auf kulinarische Entdeckungsreise gehen.

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Foto: PdM. – Ungewöhnlich: die Früchte der Echten Mispel. Sie sind nach Frosteinwirkung essbar und lassen sich gut zu Delikatessen verarbeiten. Dieses Wildobstgehölz wurde im Mittelalter sehr geschätzt und auch oft in Bauerngärten gepflanzt. Jetzt erlebt die Echte Mispel wie viele andere Wildobstgehölze eine Renaissance.

Kommentar

Immergrüne Teppiche

Blickdicht und pflegeleicht:
Immergrüne Teppiche

Guter Boden ist kostbar. Er ist ein einzigartiger Mikrokosmos und die Grundlage unserer Existenz. Ohne ihn wäre menschliches Leben auf unserem Planeten nicht möglich. Die Erde zu unseren Füßen mag nur wie eine leblose Masse aus kleinsten Körnchen wirken, doch der Eindruck ist trügerisch. In einer Hand voll Humusboden befinden sich unzählige kleine Lebewesen wie Tausendfüßler, Springschwänze, Regenwürmer und kleine Organismen, die mit dem bloßen Auge gar nicht zu erkennen sind. Sie alle tragen dazu bei, Blätter und andere organische Substanz so sehr zu zerkleinern, dass daraus die Lebensgrundlage für neue Pflanzen wird. Doch auch wenn die Leistungen des Bodens beeindruckend sind, schön ist der Blick auf nackte Erde nicht. Ohnehin braucht der Boden Bewuchs, der ihn beschattet und mit seinen Wurzeln vor dem Abschwemmen schützt. Die Frage ist nur: Will man Wildwuchs oder eine gezielte Pflanzung?

Farbe im Winter

Im Wortsinn gründliche Arbeit leisten Bodendecker, die je nach Wuchs den Boden wie flache Teppiche bedecken oder eine dichte Fläche mit unterschiedlichen Höhen bilden. Sie unterdrücken zudem Unkräuter, die sich auf kahlen Bodenstellen rasch ansiedeln. Diesen Wildkräutern fehlt das Licht für ihre Entwicklung, wenn die Erde durch dichtwachsende Gehölze oder Stauden beschattet wird. Wacholder (Juniperus) zum Beispiel sind vielgestaltige, immergrüne Nadelbäume, von denen einige flachwachsende Formen den Boden gut bedecken können. Manche wachsen schlank aufrecht, andere breitausladend und einige schmiegen sich wie Teppiche an den Boden. Dazu kommt ein großes Farbenspektrum der Nadeln, das die verschiedensten Grün-, Blau- und Gelbtöne umfasst und dem Garten selbst im Winter noch Farbe verleiht.

Immergrüne Vielfalt

Die große Formenvielfalt der Wacholder bietet eine Fülle an gestalterischen Möglichkeiten. Kleinere Pflanzen eignen sich auch gut für mobile Gärten und besonders flachwachsende Sorten können gut die Ränder von Gefäßen kaschieren. Der Blaue Teppich-Wacholder (Juniperus horizontalis ‚Glauca‘) macht seinem Namen alle Ehre. Er bedeckt die Gartenerde wie ein stahlblauer Teppich, während der Flache Kriech-Wacholder (Juniperus communis ‚Repanda‘) dunkelgrüne Nadeln trägt. Schön ist auch der langsam wachsende, dichtbuschige Blaustern-Wacholder (Juniperus squamata ‚Blue Star‘) mit silberblauen Nadeln. Er bildet anfangs kompakte kleine Büsche, ältere und größere Pflanzen entwickeln sich zu unregelmäßigen Polstern. Werden Wacholder mit unterschiedlicher Wuchsform kombiniert, entstehen Gartenbereiche, die das ganze Jahr über interessant sind.

Gold und Silber für Wintertage

Bei den Laubgehölzen finden sich ebenfalls Sorten, die immergrün sind und den Boden deshalb auch im Winter dicht bedecken. Sehr schön sind die Kriechspindeln (Euonymus-fortunei-Sorten). Es sind farbenfrohe Bodendecker, die mit ihren Haftwurzeln auch in der Lage sind, an Mauern, Felsen oder Baumstämmen emporzuwachsen. Diese kleinen, anspruchslosen Gehölze gedeihen gut in Pflanzgefäßen und können deshalb auch Balkon und Terrasse mit ihren hübsch gezeichneten Blättern verschönern. Manche Kriechspindeln haben grüne Blätter, die sich im Herbst purpurrot verfärben. Bei anderen sind die Blätter weiß- oder gelbgrün und zaubern auch in der dunklen Jahreszeit noch Lichtreflexe in den Garten. Die zierlichen Blättchen von ‚Emerald’n Gold‘ zum Beispiel haben einen leuchtend goldgelben Rand, ‚Emerald Gaiety‘ hat kleine Blätter mit auffallenden weißen Rändern, die sich im Herbst zart rosa färben. Bei manchen Kriechspindeln sind die Blätter silberweiß gerandet oder marmoriert und bilden einen schönen Kontrast zu Immergrünen mit dunklen Blättern oder Nadeln.

Die Vielfalt nutzen

Weitere schöne Immergrüne, die den Boden dicht bedecken, sind zum Beispiel flachwachsende Felsenmispeln (Cotoneaster-dammeri-Sorten), Dickmännchen (Pachysandra) und Rebhuhnbeere (Gaultheria). Efeu (Hedera helix) ist in erster Linie als anspruchslose Kletterpflanze bekannt, doch er begrünt nicht nur Wände, sondern lässt sich in schattigen Gartenbereichen auch als dichtwachsender Blätterteppich verwenden. In manchen Gärten kann es sinnvoll sein, unterschiedliche immergrüne Bodendecker zusammenzupflanzen. Direkt am Haus gedeihen möglicherweise schattenliebende Arten am besten, während an anderen Stellen der Lichteinfall höher ist und sonnenverträglichere Pflanzen wie Wacholder oder Felsenmispeln besser geeignet sind. Es lohnt sich auch aus gestalterischen Gründen, verschiedene Immergrüne zu kombinieren, denn die unterschiedlichen Blattformen, Farben und Wuchshöhen bringen Abwechslung in den Garten – selbst in der kalten Jahreszeit.

Bild

Foto: PdM. – Es lohnt sich, verschiedene immergrüne Gehölze zu kombinieren, denn ihre unterschiedlichen Farben bringen auch im Winter Abwechslung in den Garten. An einen Hang gepflanzt, kommen Bodendecker besonders gut zur Geltung und schützen gleichzeitig den Boden vor dem Abschwemmen.

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